Chique Mode, die Arbeiter*innen krank macht

MÄRZ 2017

Gespräch mit Abdulhalim Demir

Gesundheitsschutz und Sicherheit sind in den Fabriken der globalen Bekleidungsindustrie immernoch Mangelware, das beweisen die vielen Unfallmeldungen der letzten Jahre: Fabrikbrände und der Gebäudeeinsturz von Rana Plaza forderten unzählige Opfer.

Dazu sind Arbeiter*innen der Bekleidungsindustrie anderen, alltäglichen SICHERHEITSRISIKEN ausgesetzt. Besondere Risiken birgt das SANDSTRAHLEN von Jeans, dabei wird Sand unter Hochdruck auf den Stoff geschossen mit dem Ziel, den Stoff auszubleichen und aufzuweichen, den “Used-look” zu erzeugen. Das Einatmen von großen Mengen Staub führt zu Silikose (allg. Staublunge), eine unheilbare Lungenkrankheit, die zuvor v.a. im Zusammenhang mit der Arbeit in Mienen oder auf Baustellen festgestellt wurde.

2010 bis 2012 machte die CLEAN CLOTHES CAMPAIGN die tödlichen gesundheitlichen Folgen türkischer Sandstrahler öffentlich und erreichte ein Verbot dieser Technologie als Selbstverpflichtug der Jeansmarken.

Was haben die Selbstverpflichtungen gebracht? Wie sehen die BEDINGUNGEN HEUTE IN DER TÜRKISCHEN BEKLEIDUNGSINDUSTRIE aus?

Abdulhalim Demir arbeitete ehemals selbst als Sandstrahler in der türkischen Modeindustrie. Er berichtet von seinen Erfahrungen, zeigt Filme und geht auf die derzeitige Situation ein.

VORREITER FÜR EXISTENZLÖHNE

Dresden, 21.10.2015
Straßenaktion im Rahmen des Umundu-Festivals

Dresdner Reiter August macht sich stark für Existenzlöhne

Am Mittwochabend forderte der Dresdner Goldene Reiter alle Modeunternehmen auf:
„Seid Vorreiter, zahlt Existenzlöhne!“

Dem Reiter, August dem Starken ist klar geworden, dass die Modebranche durch schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Löhne Armut schafft statt sie zu verringern. Es ist an der Zeit, dass Näher*innen einen Lohn verdienen, der zum Leben ausreicht: einen Existenzlohn.
Am Mittwochabend wanderten, zwischen Feierabendeinkäufern und Spaziergängerinnen, leuchtende Zelte auf Dresdens Hauptstraße in Richtung des Goldenen Reiters. Jedes Zelt bewegte sich auf einer eigenen Route, machte dann und wann Halt, und ging nach einer Pause weiter seines Wegs. Die Zelte waren Symbole für Näher*innen aus den Balkanländern, die im Fokus der Aktion standen. Wenig später reihten sich die wandernden Zelte vor dem Goldenen Reiter auf und forderten gemeinsam mit ihm Existenzlöhne für alle Näher*innen. Eine Aktion organisiert durch das ENS und weitere Personen.

HINTERGRUND:

Was sind Existenzlöhne?
Ein existenzsichernder Lohn ist ein Arbeitseinkommen, das es einer Arbeiterin ermöglicht, sich selbst und ihre Familie zu ernähren, d. h. die Grundbedürfnisse zu decken und für Notfälle Geld zurücklegen zu können. Er muss ohne Überstunden und Boni zu verdienen sein.

Deutsche Modebranche schafft Armut und Unsicherheit
Die Studie („Im Stich gelassen“, 2014) der Clean Clothes Campaign ergab, dass durch die Modeindustrie ganze Regionen verarmen. Das Geschäftsmodell der Modeindustrie ist auf kurzfristige Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft ausgelegt – auch und insbesondere auf dem Balkan.

Der durchschnittliche Verdienst einer mazedonischen Näherin liegt weit unter der Armutsgrenze und entspricht gerade mal einem Siebtel eines existenzsichernden Lohns. Mit rund 120 EUR im Monat verdient sie derzeit so viel wie eine Näherin in Kambodscha und erheblich weniger als ihre chinesische Kollegin. Und: vom Einkommen der Näherinnen müssen in den Balkanländern Großfamilien ernährt werden, die Frau ist in der Regel die alleinige Familienernährerin.
Die hauptsächlich deutschen Auftraggeber nehmen Manipulationen von Inspektionen und Verstöße
gegen die Gesetze ähnlich wie in Bangladesch oder Indien billigend in Kauf.

Weitere Informationen zum Thema:
https://saubere-kleidung.de/lohn-zum-leben/europa/