Es ist vollbracht. Alle Teilnehmer:innen erhielten ihr Zertifikat und sind bereit, ihr Wissen in die Welt zu tragen 🙂
In Neustrelitz beschäftigten wir uns vorrangig mit den Themen „grenzübergreifender existenzsichernder Lohn“ und „just transition“. Eine Einführung, wie moderne Bildungsarbeit gelingt, ein upcycling-workshop und ein theaterpädagogischer Rückblick auf alle 5 Module der faircademy rundeten das Wochenende ab.
Mit Wehmut und Energie verabschiedeten wir uns voneinander – sicher nicht für immer. Es wird Berührungspunkte geben, möglicherweise an verschiedenen Stellen neue Aktionsgruppen und ganz sicher ein Alumnitreffen.
Im schönen Weimar widmeten wir uns ganz den rechtlichen Aspekten – Lieferkettengesetz, Audits, Siegel, Code of conduct, stiegen tief ein in die weltweiten Zusammenhänge und erholten uns bei einer kleinen aber feinen Kleidertauschparty. Die Simulation eines unwahrscheinlichen Runden Tisches, an dem alle Beteiligten von der Textilarbeiterin bis zum Staatsvertreter eines Konsument:innenlandes vertreten waren, zeigte uns, dass ein wirklicher Austausch Wunder wirken könnte – wenn man sich denn zuhören würde und die geschäftlichen Interessen nicht im krassen Gegensatz zu den menschlichen Interessen stehen würden ….
Nun liegt das Modul 3 der Faircademy bereits hinter uns. Spannende Bildungsmethoden und tiefe Einblicke in die Strickmuster der Modeindustrie haben wir gemeinsam kennengelernt. Highlight und Hoffnungspunkt war der Vortrag des türkischen Aktivisten Bego Demir aus Istanbul. Mit großer Ruhe und einfachen Worten sprach er von seinen Erfahrungen, seinem Lebensweg und seinen Kraftmomenten – und der Funke sprang über. Gestärkt, mit neuen Ideen und Motivation erlebten wir gemeinsam den Vortrag und das gesamte Wochenende wurde zu einem Motivationsevent, das uns noch lange Kraft geben wird.
Vom 31.5.-2.6. lernten sich hoch engagierte und höchst interessierte Teilnehmer:innen aus ganz Deutschland kennen und begannen, miteinander das Thema “textile Kette” zu bearbeiten. Die unterschiedlichen Vorkenntnisse führten zu einem regen Austausch und für alle gab es neue Informationen. Der Besuch der Leipziger Baumwollspinnerei und die Tagung in der Alten Tuchfabrik Gebr. Pfau in Crimmitschau gaben dem gesamten Modul den passenden Rahmen.
Voller Vorfreude sehen wir nun dem 2. Modul im September in Görlitz entgegen.
Anlässlich des 11. Jahrestags des Zusammensturz der Rana Plaza Fabrik in Bangladesch protestierte die Regionalgruppe Dresden der Kampagne für Saubere Kleidung am 24.4.2024 vor Levi’s auf der Dresdner Einkaufsstraße. Sie verteilte Handzettel mit einem Link zur Petition, dass Levi’s endlich den International Accord für Gesundheitsschutz und Sicherheit in Textilfabriken unterschreiben soll – symbolisch mit Helmen, um Levi’s auf die mangelnde Sicherheit in seinen Lieferketten aufmerksam zu machen. Gerne könnt auch ihr die Aufforderung an Levi’s schicken: https://action.eko.org/a/levi-s
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG „TUCHFÜHLUNG – VOM REINWASCHEN UND SCHÖNFÄRBEN“ IN DER TUCHFABRIK GEBR. PFAU
Zeitzeuginnen berichten über die Textilindustrie in Crimmitschau und Rumänien: Was machte die Arbeit in der Tuchfabrik aus? Wie war die Zusammenarbeit in der Brigade der 80er Jahre? Womit hatten die Arbeiterinnen und Arbeiter zu kämpfen? Eine mutige rumänische Arbeiterin berichtet wie sie sich während der Coronakrise ihren vorenthaltenen Lohn erkämpfen musste und sich jetzt für die Rechte von Textilarbeiterinnen und Textilarbeitern engagiert.
Vor und nach den Gesprächen sind Sie eingeladen die Ausstellung „Tuchfühlung – Vom Reinwaschen und Schönfärben“ zu erkunden.
Die Ausstellung beinhaltet als zentrales Objekt einen Kleiderschrank, in dem Informationsmaterial, Hörstationen, Fotobücher zu finden sind, die versinnbildlichen, wie Kleidung entsteht und was das für die daran arbeitenden Menschen und die Umwelt bedeutet – gestern und heute. Sie weist auf wirtschaftlich und politisch Verantwortliche hin und informiert über den Einsatz der Zivilgesellschaft für bessere Arbeitsbedingungen weltweit.
Eine Veranstaltung des Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen e.V. (ENS) in Zusammenarbeit mit dem Museum Tuchfabrik Gebr. Pfau.
Wenn du durch die Dresdner Neustadt gehst, stolperst du in jeder Straße mindestens über einen Karton mit der Aufschrift „zu verschenken“. Wirfst du einen Blick hinein, findest du allerlei und fast immer Kleidung. Vor den zahlreichen Altkleider-Containern stapeln sich die Textilien-Berge und auch die Kleiderkammern wie Second-Hand-Läden sind vollgestopft mit Klamotten. Dazuhin liest man hier und da Nachrichten von Modeunternehmen, die Tonnen von neu produzierter Ware verbrennen. Dabei wird jedes einzelne dieser Kleidungsstücke von Menschen Hand genäht, eine harte Arbeit, zumeist unter widrigsten Umständen, kaum Absicherung und äußerst schlecht bezahlt. Sollten wir unserer Kleidung nicht alleine angesichts der Arbeit, Mühe und Entbehrungen, die in ihr steckt, mehr Wert geben und Respekt zollen? Wie können wir dem textilen Überfluss entgegenwirken und Kleidung wieder mehr wertschätzen? Diese Fragen wollen wir diskutieren, während wir uns gleichzeitig praktisch betätigen, indem wir scheinbar überflüssig gewordenen Textilien einen neuen Wert verleihen, sie anhand verschiedener Druck- und Maltechniken mit politischen Botschaften versehen.
WER: Jede*r, die/der Zuhause Klamotten hat, die sie/er nicht mehr anzieht MITBRINGEN: Kleidung, die man nicht mehr nutzt, gern auch aus einer „Verschenke“-Kiste; Besonders geeignet sind T-Shirts/Sweatshirts mit einfarbiger Fläche (erleichtert das Lesen der Botschaft, die darauf gedruckt/gemalt wird)
Bitte beachten: der Veranstaltungs-Ort befindet sich auf der Königsbrücker Str. 13!
Mittwoch, 22. Mai 2019, 20h – DRESDEN, Kukulida, Martin-Luther-Str. 1
Donnerstag, 23. Mai 2019, 20h – FREIBERG, Tee-Ei, Untermarkt 5
Freitag, 24. Mai 2019, 19h – SCHWERIN, Haus der Kultur, Arsenalstr. 8
Den Ausdruck „Made in Europe“ verbinden viele westeuropäische Konsument*innen mit der Vorstellung von besseren Arbeitsbedingungen, als sie in asiatischen Produktionsländern herrschen. Doch die „Sweatshops“ (Ausbeutungsbetriebe) liegen auch direkt vor unserer Haustür.
Zusammen mit Georgi Medarov werden wir vom ENS e.V. und dem Publikum über die Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie Bulgariens sprechen – einem Mitglied der EU, wo Arbeiter*innen Kleidung für unsere Märkte zu Armutslöhnen und unter prekären Bedingungen fertigen.
Georgi Medarov ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bulgarian Academy of Science und unterrichtet Soziologie an der Universität von Plovdiv. Er verteidigte seine Doktorarbeit zum Thema „Vom Liberalismus zum Autoritarismus: Bulgarien nach 1989“ an der Universität in Sofia. Er arbeitet im Bereich kritische Soziologie und politische Ökonomie. Georgi betrieb auch bereits Forschung für die Clean Clothes Campaign über Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie, z.B. war er beteiligt an der Erstellung der Studie „H&M: Vom Versprechen existenzsichernder Löhne und der Realität der Armutslöhne“, erschienen 2018.
Ist Mode Freund oder Feind der Frauen – in einer Welt, in der Frauen für vergleichbare Arbeit ein Viertel weniger verdienen als Männer und nur die Hälfte an Rente erhalten, in der Sexismus eine Alltagserscheinung und Trump Präsident ist? Hat die Modeindustrie eine Verantwortung dabei oder ist Mode einfach nur ein Spiegel der Stellung von Frauen in der Gesellschaft – ein schön verpackter Spiegel mit Preisschild? Und wie sieht die Kehrseite der schillernden Modewelt aus? Kann Mode gut für Frauen sein, wenn sie auf deren Ausbeutung weltweit basiert? Einstürzende und abbrennende Modefabriken, Näherinnen und Näher hinter Gittern nur weil sie einen Lohn zum Leben fordern – ist die Modeindustrie noch zu retten?
Tansy Hoskins schrieb „Stitched Up The Anti-capitalist Book of Fashion – Das Antikapitalistische Buch der Mode“ und ist bekannt aus dem Film „The True Cost – Der Preis der Mode„. Sie dokumentiert als Journalistin aktuelle Themen und schreibt über die Modeproduktion. Sie recherchierte in Bangladesch, Kenia, Marokko, Mazedonien, Bulgarien und im Topshop Logistikzentrum in Solihull, GB.
GEFÖRDERT durch Engagement Global mit finanzieller Unterstützung des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und den Katholischen Fonds sowie mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes.